Überlegungen zum Umgang mit Köthens „grüner Lunge“

Köthen besitzt mit der Fasanerie eine sehr wertvolle Fläche, die ein naturverträgliches Pflegekonzept erfordert. An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen, unsere Überlegungen zum Umgang mit Köthens „grüner Lunge“ kurz vorzustellen. Folgende Ziele müssen aus unserer Sicht für die Pflege der Fasanerie im Fokus stehen:

  1. die Gewährleistung der Erholungsfunktion für die Bevölkerung,
  2. die Erhaltung und Entwicklung der gesunden naturnahen Wald-Parkstrukturen sowie
  3. der Schutz der charakteristischen Tier- und Pflanzenarten.

Totholz dient als wertvoller Lebensraum

Die Erholungsfunktion für die Bevölkerung ist nur gewährleistet, wenn das Wegesystem gefahrlos begangen werden kann. Gegenwärtig ist der Zustand der alten Bäume, insbesondere der Gemeinen Esche, sehr schlecht. Die Esche, die einen hohen Anteil im Waldbestand besitzt, ist durch das Eschentriebsterben (Pilzbefall) betroffen. Hinzu kommt, dass die so vorgeschwächten Bäume vom Kleinen- und Großen Eschbastkäfer befallen sind. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Gemeine Esche in kürzester Zeit komplett aus dem Waldbestand der Fasanerie ausscheidet. Entlang der Wege steht schon ein beträchtlicher Anteil abgestorbener Eschen, die eine Gefahr für die Besucher des Waldstücks sind. Aus diesem Grund halten wir die bereits von der Stadt eingeleiteten Pflegemaßnahmen (Kronenkappungen und teilweise Fällung der abgestorbenen Bäume) für unverzichtbar und sinnvoll. Sie sollten entlang der Wege bis ca. 30 m (doppelte Baumlänge) in den Waldbestand hinein erfolgen. Damit kann die Verkehrssicherheit gewährleistet werden. Die Bepflanzung der so entstandenen Löcher kann dann mit geeigneten Baumarten erfolgen. Beispielhaft seien hier Stiel-Eiche, Rot-Buche, Hainbuche und Winterlinde genannt. Das anfallende Totholz hat weitestgehend auf den Flächen zu verbleiben, da es ein wertvoller Lebensraum für holzbewohnende Insekten und zugleich Wasserspeicher ist.

Erlen sind geeigneter

Im zentralen Waldbestand abseits der Wege sollte dann ebenso verfahren werden. Die Maßnahmen müssen aber aus Naturverträglichkeit über längere Zeiträume geplant werden. Das Verbleiben eines mindestens 5 % Anteils von stehenden und liegenden Totholz sollte die Schaffung naturnaher Strukturen untermauern. Weiterhin ist die mächtige Naturverjüngung von Spitz- und Bergahorn, durch kontrolliertes Zurückdrängen, zu regulieren. Das Resultat dieser Steuerungsmaßnahme ist ein artenreicherer Mischwaldbestand. Im Waldstück neben dem Tierpark sollten die durch hohe Grundwasserstände umgestürzten Bäume und die durch den o. g. Schädlingsbefall abgestorbenen Bäume durch Baumarten ersetzt werden, die über eine höhere Toleranz gegenüber der standörtlichen Staunässe verfügen. Arten der bachbegleitenden Erlenwälder eignen sich für diese Standortbedingungen besonders. Eine Kompromisslösung für die übrigen Waldbestände ist die Schaffung von naturnahen Beständen im Zentrum des Waldgebietes mit der Zunahme parkähnlicher Strukturen zu den Wegen.

Schützenswerte Tierwelt

Die Tierwelt der Fasanerie ist überaus reichhaltig und schützenswert, die Pflegemaßnahmen müssen auch darauf abgestimmt werden. Sie sollten im Schwerpunkt im Winterhalbjahr erfolgen, um Höhlenbrüter und Fledermäuse im Sommerquartier zu berücksichtigen. Im Gebiet sind mit den Urwaldreliktarten Heldbock, Eremit und Hirschkäfer drei streng geschützte holzbewohnende Käferarten nachgewiesen. Alte Bäume müssen auf die Besiedlung überprüft werden.

So sah die Planung der Stadt aus, um die Verkehrssicherung in der Fasanerie zu gewährleisten.
So sieht es nach der Verkehrssicherung aus: Deutlich mehr Bäume als geplant wurden entfernt. Grund ist die unsachgemäße Anleitung und mangelnde Kontrolle der Ausführung der Arbeiten seitens der Stadtverwaltung.

Wenn Sie Themen oder Fragen rund um Natur und Umwelt in unserer Stadt und natürlich auch zu anderen Bereichen haben, können Sie mich gerne kontaktieren unter torsten.beyer@gruene-koethen.de .

Torsten Beyer, Stadtrat Bündnis90/Die Grünen


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