Traditionen wahren und Neues wagen

Liebe Bürgerinnen und Bürger, ich grüße Sie in dieser stillen Zeit, in der die Natur gewissermaßen den Atem anhält, um im Verborgenen Stärke für einen neuen Anfang zu schöpfen. Auch uns, als Teil der Natur, wünsche ich eine Zeit der Ruhe und des Innehaltens, um das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen und so gut wie möglich Zuversicht und Kraft für das kommende zu schöpfen. Lassen Sie uns gemeinsam versuchen, trotz misslicher Umstände, liebgewonnenen Traditionen zu bewahren und zugleich auch Neues zu wagen.

Im letzten Stadtrat des Jahres 2021, er findet genau an dem Tag statt, an dem ich diese Zeilen schreibe, werden/wurden u. a. grundlegende Themen für unsere Kommune abgearbeitet: der Haushalt für das Jahr 2022, das Haushaltskonsolidierungs- und Liquiditätskonzept, die Realsteuerhebesätze für die Grund- und Gewerbesteuer, die Betriebskostenzuschüsse für die Sportvereine. Punkte, über die in der Vergangenheit teilweise leidenschaftlich und teilweise leider auch unsachlich diskutiert wurde und die nun hoffentlich mit tragfähigen, sachlichen Kompromissen den Stadt-rat passieren.

Beim Projekt Grüne Energie geht es um das Wie

Sachlichkeit im Meinungsstreit und Abwägen von Vor- und Nachteilen ist auch bei einer anderen Thematik anzumahnen, der Errichtung von Photovoltaikanlagen. Hierfür, wie derzeit immer öfter und raumgreifender gefordert, landwirtschaftliche Flächen mit allerbesten Ackerböden zu beanspruchen, darf nicht zum Mittel der Wahl werden! Ich habe meinen Standpunkt dazu bereits aus-führlich im Bau-, Sanierungs- und Umweltausschuss dargelegt und zusätzlich über Presse und soziale Netzwerke untermauert. Es gibt genügend geeignetere Flächen (Industriebrachen, Dächer, Fassaden), auf denen Solarstrom erzeugt werden kann. Ackerboden ist eine endliche, nicht einfach so nachwachsende Grundlage! Es wird nicht in Frage gestellt, dass das Projekt Grüne Energie weiter betrieben werden soll, es geht um das „Wie“.

„Flächenfraß“ – täglich werden in Deutschland rund 52 Hektar neu ausgewiesen

In Bezug auf die Finanzlage unserer Stadt, hier lediglich mit Steuererträgen zu argumentieren, ist kurzsichtig und falsch: Bei dieser kaufmännischen Sichtweise wird völlig unbeachtet, dass diese Flächen bei der herkömmlichen Nutzung etwas erbringen, was mit dem Fachausdruck „Ökosys-temdienstleistung“ auch in Geldwert zu Buche schlägt: die Erzeugung von Nahrung, Bildung von Grundwasser/Wassereinigung und das Erholungspotential einer intakten Umgebung. Einem weite-ren „Flächenfraß“ – täglich werden in Deutschland rund 52 Hektar (etwa 73 Fußballfelder) als Sied-lungs- und Verkehrsflächen neu ausgewiesen – haben bereits zwei Ausschüsse mit sehr klaren Mehrheiten widersprochen. Ich hoffe, der Stadtrat folgt(e) nun diesen Entscheidungen. Uns allen ein gesegnetes, friedliches Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr. Passen Sie gut auf sich und Ihre Nächsten auf.

Herzliche Grüße
Torsten Beyer

Für Fragen, Wünsche und Anregungen sind wir dankbar und für Sie erreichbar: Per Mail (torsten.beyer@gruene-koethen.de / sascha.greiner@gruene-koethen.de) oder nach Absprache auch gerne direkt in unserem Büro in der Kleinen Wallstraße.

Der Text erschien im Amtsblatt der Stadt Köthen, Ausgabe Dezember 2021.

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