Torsten Beyer

Pestizide: Köthen hätte eine Vorreiterrolle übernehmen können

„Alles wird vergrünen“ – dieses „Schreckgespenst“ malte die Stadtverwaltung kürzlich in einer Vorlage an die Wand. Ziel des Papieres, das nacheinander den Bau- Sanierungs- und Umweltausschuss, den Hauptausschuss und als Abschluss den Stadtrat passierte, war es, einen Beschluss des „alten“ Stadtrates vom 2019 auszuhebeln bzw. aufzuheben. Damals beschloss der Stadtrat, zukünftig generell auf den Einsatz von Pestiziden zu verzichten. Eine Entscheidung, mit der sich Köthen in guter Gesellschaft befand, bundesweit bewirtschaften über 460 Städte, teilweise bereits seit über 20 Jahren, ihre Flächen ganz oder teilweise ohne Pflanzenschutzmittel und haben damit Erfolg. Unsere Stadt hätte mit der Entscheidung sogar eine Vorreiterrolle einnehmen können, da sich der Beschluss eben nicht nur auf Mittel zur Bekämpfung von unerwünschten Pflanzen bezog. Als Pestizide werden sämtliche Pflanzenschutzmittel und sonstige Mittel zur Schädlingsbekämpfung aufgefasst.

Zwei Ausnahmefälle bei Riesen-Bärenklau und Eichen-Prozessessionsspinner

Bereits im Umweltausschuss hatte ich aus pragmatischen Gründen eine Ausnahme für zwei Fälle in Erwägung gezogen: Sowohl das Vorkommen des Riesen-Bärenklaus (Heracleum mantegazzianum) als auch des Eichen-Prozessionsspinners (Thaumetopoea processionea) können ein erhebliches Gefährdungspotential für Menschen (und Haustiere) darstellen. Allerdings können beide Arten mit gleichen Erfolgsaussichten auch mechanisch bekämpft werden.

Das im letzten Amtsblatt von Seiten der CDU-Fraktion mit dem Hinweis auf den gängigen Einsatz von Herbiziden in der Landwirtschaft verwiesen wurde und damit auch deren Einsatz im kommunalen Bereich gerechtfertigt werden soll, ist völlig sachfremd, da für die Land- (und Forstwirtschaft) im Bereich der Umweltauflagen abweichende Regeln gelten („Landwirtschaftsklausel“).

Viele offene Fragen an die Stadt zum Konzept

Die Verwaltung plant nun, ein Konzept zu erarbeiten. Aus meiner Sicht ergeben sich einige Fragen: Warum erst jetzt? Die Konzeptionierung erfolgt offenbar lediglich unter dem durch den vorjährigen Beschluss erzeugten Handlungsdruck. Daher war es kontraproduktiv, den Beschluss jetzt zu kippen bzw. inhaltlich aufzuweichen. Wieso informiert sich die Verwaltung erst jetzt? Der ehemalige Umweltamtsleiter war dafür im September 2019 für eine zweitägige Konferenz abgestellt. Liegt ein „Ergebnisprotokoll“ oder irgendein anderer Bericht dazu vor? Wenn nicht, warum wurde das nicht eingefordert?
Mit welchen Mitteln und Methoden wurden Riesen-Bärenklau und weitere Arten mit Gefährdungspotential in der Vergangenheit bekämpft? Welche Standorte hat die Stadt wie erfasst? Es existiert eine seit Jahren erprobte Lösung in Form einer Koordinierungsstelle bzw. App (www.korina.info). Nutzt die Verwaltung diese Möglichkeit?

Hochschule Anhalt unterstützte tatkräftig beim Blühwiesen-Konzept

Zum Glück gilt, wo Schatten ist, muss auch irgendwo Licht sein: Aus einer fachlich mangelhaften Vorlage der Verwaltung zur Etablierung von Blühflächen wurde dank hervorragender Unterstützung der Hochschule Anhalt in Bernburg nun eine sehr brauchbare Konzeption erstellt. Die aktuelle Vorlage ist dabei zum großen Teil eine 1:1-Übernahme der Empfehlungen der Hochschulmitarbeiterin Sandra Mann.

Sehr erfreulich ist ebenso, dass die Wasserspiele auf dem Marktplatz seit einiger Zeit wieder ihrem Namen alle Ehre machen. Noch im vergangenem Jahr gab es seitens der Verwaltung den Hinweis, dass ein Teil defekt ist, für das es keinen Ersatz mehr gäbe. Einer unserer grünen Mitstreiter konnte nun durch den Austausch eines handelsüblichen und kostengünstigen Bauteils den vollen Funktionsumfang wiederherstellen. An dieser Stelle auch von mir ein Dankeschön an Sören Thiering!

Torsten Beyer

Verwandte Artikel