Köthen als pestizidfreie Kommune

Liebe Bürgerinnen und Bürger, wissen Sie eigentlich, dass wir als Kommune fast pestizidfrei waren? Ende 2020 kippte der Stadtrat das Thema und folgte dem Wunsch des Oberbürgermeisters. Bundesweit bewirtschaften über 460 Städte, teilweise bereits seit über 20 Jahren, ihre Flächen ganz oder teilweise ohne Pflanzenschutzmittel. Damit Pestizide auf Stadtgebiet nicht willkürlich eingesetzt werden, haben wir uns dafür eingesetzt, dass die Stadt ein Konzept für den Pestizideinsatz erstellt. Unser Ziel ist es, den Einsatz so weit wie möglich zu begrenzen und Alternativmethoden zu fördern.

Ein ausgereiftes ökologisches Konzept, an das sich alle halten

Die Umstellung kostet zwar am Anfang Geld, aber das Argument darf nicht zählen! Denn ein ausgereiftes ökologisches Konzept, an das sich alle halten, erleichtert den Zugang zu Fördermöglichkeiten. Ich denke da an das Bundesprogramm biologische Vielfalt oder die vielen anderen EU-Mittel für ländliche Entwicklung. Im Bauausschuss hat mein grüner Stadtratskollege Torsten Beyer bereits viel fachliches Wissen eingebracht und fasste schwammige Formulierungen in klare Worte, um Ausnahmeregelungen zu minimieren. Wir sehen zwei Ausnahmefälle: Sowohl das Vorkommen des Riesen-Bärenklaus als auch des Eichen-Prozessionsspinners können ein erhebliches Gefährdungspotential für Menschen (und Haustiere) darstellen. Allerdings können beide Arten mit gleichen Erfolgsaussichten auch mechanisch bekämpft werden.

Pestizidfreies Bewirtschaften schützt Artenvielfalt und spart Geld

Kommunale Flächen ohne Pestizide zu bewirtschaften, bedeutet nicht automatisch, dass es teurer wird. Kommunen können sogar noch sparen. Bereits nach einigen Jahren rentiert sich die Anschaffung neuer Geräte. Auf den Kauf von teuren und gesundheitsschädlichen Pestiziden kann verzichtet werden. Das spart außerdem Wasser ein und das Grundwasser wird nicht mehr mit Pestiziden belastet. Ganz zu schweigen von den positiven Auswirkungen auf die Artenvielfalt, Lebensqualität durch Blühflächen und sogar den Tourismus.

Ein Umdenken ist wichtiger Beitrag zu mehr innerstädtischer Biodiversität

Wir haben also alle etwas davon, wenn kommunale Fläche pestizidfrei und bienenfreundlich bewirtschaftet werden. Und mal ehrlich: Müssen alle Flächen immer „ordentlich“ aussehen? Ist eine Stiefmütterchen-Rabatte schöner als Blühflächen mit Bienen und Schmetterlingen? Stört der Löwenzahn auf dem Fußweg oder lockt er nicht Bienen an? Wege mit fließenden Übergängen sind doch viel schöner als schnurgerade Kanten, Gräser und Kräuter auf öffentlichen Flächen. Ein Mix aus intensiver und extensiver Pflege kann schön aussehen, den Erlebniswert steigern und einen wichtigen Beitrag zu mehr innerstädtischer Biodiversität leisten.

Für Fragen, Wünsche und Anregungen sind wir dankbar und für Sie erreichbar: Per Mail (torsten.beyer@gruene-koethen.de / sascha.greiner@gruene-koethen.de) oder nach Absprache auch gerne direkt in unserem Büro in der Kleinen Wallstraße.

Ihr Stadtrat Sascha Greiner

Der Text erschien im Amtsblatt der Stadt Köthen, Ausgabe Februar 2022

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