Die MZ Köthen fragt, Landtagskandidat Torsten Beyer antwortet

1. Welche Projekte sollte man mit Mitteln aus den Kohlemilliarden umsetzen, um den Strukturwandel voranzubringen?

Die Kohleproduktion hat jahrzehntelang wertvolle Lebensräume zerstört, die Nutzung dieses Energieträgers war und ist klimaschädlich! Die Mittel sind für Projekte einzusetzen, die einen tatsächlichen Strukturwandel bewirken: Weg von Kohle, Erdöl und Erdgas hin zu Technologien, die mindestens C02-neutral sind. Zudem soll die Lebensqualität in der Region durch Umgestaltung städtischer Wohnquartiere gesteigert werden.

2. Wie sehen Sie die Chance auf eine zeitnahe Fertigstellung der B6n als wichtige Ost-West-Verbindung und wie kann man das Verfahren beschleunigen?

Es wird grundsätzlich zu wenig in alternative Mobilitätskonzepte zum Straßenverkehr investiert. Eine Planungsbeschleunigung etwa zu Lasten von Bürgerbeteiligung und Umweltbelangen wäre kontraproduktiv. Durch eine frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung sowie bessere personelle und technische Ausstattung von Planungs- und Genehmigungsbehörden können Konfliktfelder rechtzeitig erkannt und Abläufe optimiert werden.

3. Welche Lehre ziehen Sie aus der Corona-Krise?

Corona hat schwerwiegende Mängel bei der Digitalisierung im Bildungssektor und der öffentlichen Verwaltung aufgedeckt. Investitionen in die technische Ausstattung und personelle Befähigung sehe ich als entscheidend an. Es muss ein Umdenken erfolgen beim bisher nur auf Kosteneffizienz ausgelegten Gesundheitssystem. Unabhängige wissenschaftliche Expertise sollte hierbei ein stärkeres Gewicht haben.

4. In Sachsen-Anhalt fehlt es vor allem an hochqualifizierten und gut bezahlten Jobs. Welche Vorschläge haben Sie, um das zu ändern?

Sachsen-Anhalt liegt verkehrsgünstig bezüglich der Ballungsräume Berlin, Leipzig und Hannover-Braunschweig. Das Land hat im Bundesvergleich die meisten Arbeitsplätze je Einwohner im Bereich Erneuerbare Energie. Investitionen in den Breitbandausbau, die Nah- und Fernverkehrsinfrastruktur begleitet von einer entsprechenden Vermarktungsstrategie können durch Ausbau der Green Economy entsprechende Arbeitsplätze schaffen.

5. Wofür wollen Sie sich – im Falle Ihrer Wahl – als Landtagsabgeordneter ganz besonders einsetzen?

Nachhaltigkeit im klassischen Sinn bedeutet, nicht mehr zu verbrauchen als nachwächst. Unser Wohlstand darf nicht zu Lasten anderer gehen. In Verantwortung für die heutige und folgende Generationen müssen alle unsere zu treffenden Entscheidungen in diesem Sinn erfolgen. Ich fühle mich ebenso verpflichtet, einer weiteren Spaltung der Gesellschaft entgegenzutreten: streitbar, konsequent und dennoch kompromissbereit.

Das Interview erschien am 14. Mai 2021 in der Mitteldeutschen Zeitung Köthen.

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